Alfred in anderen Sphären

Alfred in anderen Sphären

Hack: Hey Alfred. Erstmal fetten Glückwunsch zum zweiten ersten Platz in der Altenbergröhre! Ich komme grad von einem Surftrip mit meiner Familie aus Portugal zurück und hab das Event mal wieder verpasst. Irgendwie freue ich mich immer wenn ich nach Altenberg fahre und wenn ein anderes Spektakel anliegt bin ich auch nie böse darum nicht hin zu fahren. Wie hast du dich dieses Jahr gefühlt?

 

Alfred: Eigentlich war ich das ganze Jahr sehr unmotiviert und wollte daheim bleiben und im Layback arbeiten. Aber der Organisator Philipp Auerswald sagte mir schon auf der Ispo 2015 im Februar das er meine Startnummer bereits gedruckt hat und ich dort erwartet werde. 😀 Mit diesem Beigeschmack fühlte ich mich schon zwei Monate vor dem Event wie vor einem Kontrollbesuch beim Zahnarzt.

 

Hack: Hast du im Vorfeld ordentlich trainiert, oder wie bereitest du dich vor?

 

Alfred: Ich hab nicht trainiert, sonder hab mehr drauf geachtet frei im Kopf zu bleiben. Ich weiß mittlerweile von mir selbst, das wenn ich mental fit bin alles möglich ist. Ich glaub das ich immer noch von meiner Skispringer Ausbildung in meinen jungen Jahren profitiere. Viel Training für gute Koordination und Balance plus mentales Training. Meine damaligen Skisprungtrainer steckten viel Zeit und Mühe in meine Entwicklung.

 

Hack: Ich denke auch, dass dir deine Skisprungvergangenheit hier voll reinläuft. Im Brettsport bist du ein exzellenter Allrounder. Street, Bowl, Downhill, Freeriden, Snowboarden, Windsurfen, Kiten… Du bist überall auf einem soliden Niveau unterwegs und bleibst nicht auf einem speziellen Film hängen. Ich denke das ist es was man in die Bobbahn mitnehmen sollte. Was für ein Setup bist du dieses Jahr gefahren?

 

Alfred: Hackbrett Erde 2011 Model mit den guten 200er Crails und abgerundete Hawgs Monster in 80a:)

 

Hack: Genau das bin ich auch gefahren. He, wo ist eigentlich mein Röhrensetup? Ah, ich verstehe. Damit hat dieses Erde jetzt drei Siege und einen zweiten Platz auf dem Buckel, das ist wahrscheinlich das derzeit erfolgreichste Bobbahn Brett. Wenn man mal davon absieht, dass die Bobbahn eh nur von einer Handvoll Fahrer in Angriff genommen wird. Wenn du den Shaper des Bretts kennen würdest, was wäre dein Feedback bzw. deine Wünsche für eine Weiterentwicklung? Soviel ich weiß wird das Brett gerade nicht gebaut.

 

Alfred: Wenn ich den Shaper kennen würde? 😀 Naja ich finde das Board super lecker und fahre es auch sehr gern im Schwarzwald bei konventionellen Downhillabfahrten. Mein Wünsche für dieses Board wären noch eine kürzere Wheelbase zu Verfügung zu haben und ein Upgrade bei den Wheelwells. Diese sind nämlich meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß. Aber viel lieber hätte ich gerne eine DH Version vom Wasser! Mit dem Thema geh ich dem Chef schon seit Jahren auf den Geist. 😉 Hack bau mal so ein Teil, der Alfred braucht flowiges Spielzeug! Bitte, bitte, bitte!!!!!!

 

Hack: Die Gun… Downhill Surfen auf 1,3m Länge… Die Neuentwicklung des Wassers hat mir da in der Tat einige Eingebungen verschafft.  Wie Erde steht die Gun zwar nicht ganz oben auf meiner Entwicklungsliste, wird aber definitiv wieder in einer neuen Auflage erscheinen. Werde dich nicht hängen lassen… Ich habs eben schon erwähnt, viele Fahrer trauen sich nicht in die Bobbahn. Jedes Jahr gibt es Rider die gerne gehen würden, dann aber wieder zurückziehen. Wir beide sind ja auch immer eher hin und hergerissen. Den Strasser hats vor ein paar Jahren böse aufgestellt, dieses Jahr hat sich unser Teamkollege Kravalle die Schulter ausgekugelt. Wie siehst du die Entwicklung des Bobbahn Skatens?

 

Alfred: Uh schwere Frage. Ich glaube ehrlich gesagt nicht das sich diese Randsportart durchsetzen wird. Es ist einfach schlicht weg lebensgefährlich, dumm, anspruchsvoll und du spürst bei jeder Fahrt das die Röhre nicht für Longboards gebaut wurde. Vor allem wenn du sie schnell fährst darfst du einfach keinen Fehler machen. Der Kravalle war bei seinem Sturz zum Glück noch nicht schnell und trotzdem war die Schulter gleich draußen. Der Herr Strasser war dort schon in anderen Bereichen unterwegs und wurde 2010 böse von der Bahn auseinander genommen. Jeder Run der unter einer Minute von unserem Startpunkt gemessen ist, befindet sich für mich in der „roten Zone“. Der Anpressdruck (G Force) ist so dermaßen hoch das du in den meisten Kurven harte Schmerzen hast.  Es nagt einfach an der Psyche wenn dein Körper ein ganzes Wochenende um sein Leben kämpfen muss.

 

Hack: Ja, ist schon ein krasses Ding. Ich denke es muss jeder für sich selber entscheiden ob er da hin geht und wenn man ausschert und nicht fährt ist das keine Schande. Ich hatte in der Röhre in Altenberg immer eine gute Zeit, wenn ich mich komplett darauf eingelassen habe. Unsere Session mit Max Stamler und dem Cengomäten in 2011 war für mich das Highlight und absolut von einem anderen Planeten. Das ein so spezielles Erlebnis überhaupt in der Form möglich ist verdanken wir in meinen Augen dem Philipp Auerswald, der dieses Event organisiert. Für ihn steht das Wohlbefinden der Fahrer an oberster Stelle. Das ist quasi unser Fangnetz und doppelter Boden. Renndruck darf sich entwickeln, wird aber vom Veranstaltungsformat in keinster weise gepusht. In La Pagne dagegen habe ich nach zwei Runs meine Koffer gepackt weil ich keinen bock hatte mich umzubringen. Die Veranstalter hatten keinen Plan was es bedeutet auf einem Skateboard eine Betonröhre runterzubraten. Wie War es dieses Jahr in Altenberg?

 

Alfred: In Altenberg ist das besser. Philipp und auch das Bahnpersonal wissen ganz genau das dass was wir da machen hochgradig gefährlich ist. Deswegen ist der ganze Ablauf sehr gut durchgeplant und auf Einwände der Fahrer wird reagiert. So das sich jeder auf den wirklichen Kampf konzentrieren kann. Nämlich den mit sich selbst.

 

Hack: Was sagt eigentlich dein Arbeitgeber zu diesem Blödsinn?

 

Alfred: Manchmal glaube ich das mein Arbeitgeber/ Sponsor der Einzige ist der wirklich nachvollziehen kann warum ich diesen selbstzerstörerischen Schwachsinn betreibe. Er hat sogar einen großen Teil dazu beigetragen das ich mich zu dem entwickelt hab der ich jetzt bin. Vor allem menschlich. 🙂 Wir hatten die letzten Jahre in verschiedenen Brettsportarten so geniale Sessions zusammen. Gäbe es mehr solcher Arbeitgeber dann wäre die Welt um ein ganzes Stück besser 🙂 Danke Chef das du uns allen die Möglichkeit gibst unseren Traum zu leben.

 

Hack: Träume leben. Ein herrlicher Wiederspruch. Träumen und wach sein gleichzeitig. Wenn man in der Bobbahn schnell sein will wandelt man auf diesem schmalen Grad. Es entsteht unglaublich viel Raum, auch wenn die richtige Line durch die Röhre nur 30 cm Breit ist. Ein spannendes Experiment… Du hälst momentan in Altenberg mit Abstand den Bahnrekord und hast zwei Siege auf dem Konto. Setzt dich das jetzt unter Druck? Definierst du dich gar als Bobbahn Longboarder? Wie sieht dein Trainingsplan fürs nächste Jahr aus? Ich meine, wer weiß, vielleicht bin ich ja doch noch nicht zu alt für diesen Scheiß und stehe nächstes Jahr wieder am Start…

 

Alfred: Nein, ich fühl mich definitiv nicht unter Druck gesetzt, eher freier denn je. Und als Bobbahn Longboarder würde ich mich auch nicht bezeichnen. Mein so genanntes „Training“ wird so wie jedes Jahr aus sehen: Ich passe meinen Brettsport den Jahreszeiten an wie ein Avatar. Das heißt soviel wie: Wenn es irgend wo in Europa Wind und gleichzeitig schöne Wellen gibt und ich frei habe, dann geh ich leidenschaftlich Windsurfen und folge den Starkwindblasen egal wie weit das auch sein mag. Wenn die Sommerflaute Einzug hält, dann werde ich Skateboard, Longboard und Windskateboard fahren. Wenn der Schnee fällt wird das Snowboard ausgepackt, und wenn da noch Wind dazu kommt wird der Snowkite aus der Ecke gezogen und ich fühl mich wie im Paradies angekommen. Und du Zu alt? Nein, In meinen Augen war ist der Hack nicht alt. Ich fände es schön wenn der Dr. Hackenstein wieder in Altenberg mit zum Spielen kommt, natürlich unter der Voraussetzung das er im Hinterkopf bewahrt das er jetzt einen kleinen Bub und eine liebe junge Mamma zuhause hat. Kein Adrenalin Kick auf dieser Welt ist es wert seine Familie in eine blöde Situation zu bringen.

 

Hack: Da gebe ich dir recht Alfred, wir lieben Brettsport weil er uns ein gutes Gefühl gibt und uns die Welt zeigt. Das ist alles und das ist genug. Für dich geht es jetzt erstmal nach Sotschi. Deine Souveränität in Altenberg hat dich qualifiziert bei der Erstbefahrung der Bobbahn in Sotschi dabei zu sein. Das ist noch einmaliger als zweimaliger erster in Altenberg zu sein. Pack das gute alte Erde und Kollege Flow in deinen Koffer und hab eine großartige Zeit dort!

 

Links:
Beton on Fire Homepage: http://www.betononfire.de
Alfreds Teamprofil
MDR Beitrag zu Beton on Fire 2014